Bella Italia: Tag 0

Anmerkung der Redaktion: Der folgende Artikel hätte eigentlich die Serie "Ausgeliefert: Ich wurde von meinem Lehrer gezwungen einen Blogeintrag zur Klassenfahrt zu schreiben" eröffnen sollen. Technische Problem erzwangen die anachronistische Veröffentlichungsform. Wir bitten dies zu entschuldigen. Nun also "Bella Italia: Tag 0"

Der nachfolgende Beitrag hätte normalerweise der mit Abstand kürzeste werden müssen. Die Beschreibung eines Fluges von Hamburg nach Bolognia, den die meisten mehr oder weniger verschliefen, liefert eigentlich geringes literarisches Potential. Der Autor sorgte jedoch mit einer spontanen Aktion für einen längeren Eintrag.
Ohne besondere Ereignisse verlief die Bahnfahrt nach Hamburg, wenngleich wir mehrmals umsteigen mussten (niemand ging dabei verloren). So lernten wir immerhin die beschaulichen,  mit Bierdosen und Urinpfützen geschmückten Bahnhöfe von Bad Oldesloe und Hamburg Hasselbrock kennen. Im Kontrast zu diesen endete unsere Fahrt mit der S-Bahn im neureich in Granit gehaltenem Airportflughafen.
Unser Problem lag nun in zwei Uhrzeiten: S-Bahnakunft: 00:49; Abflugzeit: 06:00
Einige versuchten auf Restaurantbänken zu schlafen, andere spielten Karten, bis eine durch Müdigkeit umgestoßene RedBull-Dose dieses Unterfangen unterband. Langsam schlich die Zeit, ehe wir ab 4 Uhr morgens sichtbar müde einchecken konnten.
Nun begann jene Episode, die der Autor gerne schnell dem Vergessen anheimfallen gelassen hätte. Seine infamen und gerne schadenfreudigen Lehrer und Mitschüler zwangen ihn jedoch, diese unrühmliche Episode niederzuschreiben. Vermerkt in irgendwelchen Terrorismusverdachtslisten ist er wahrscheinlich sowieso.
Zur Gewährleistung einer den Tischsitten angemessenen Nahrungsaufnahme hatte er einen Satz altes Besteck in einem Plastikbeutel sowie ein Taschenmesser zusammengestellt. Da der Koffer bereits übervoll war, wurden nacheinander Plastikteller, -becher und folgerichtig auch das Besteck in den Rucksack gestopft, während man den elektrischen Rasierapparat zuvor noch vorsichtshalber im Koffer verstaut hatte.
Nichtsahnend lässt der Autor sich und sein Gepäck scannen; dass er noch einmal von Hand überprüft wird, nichts als eine Formsache. Dann wird ihm freundlich bedeutet, sich doch bitte einmal sein Handgepäck anzuschauen. Das Besteck ist zu diesem Zeitpunkt längst vergessen. Umso schlimmer nun die Erkenntnis: Wie blöd kann man eigentlich sein!
Während sich die Mitschüler fragen, was los ist und grinsend hinübergucken, ist dem Autor sichtlich unwohl in seiner Haut, während sein Rucksack vom Sicherheitspersonal durchwühlt wird. Er kommt mit dem Schrecken davon, auch wenn er beim Anblick der vor der Gangway versammelten Polizei kurzzeitig erneut nervös wird.
Der Rest ist schnell erzählt: verschlafener Flug, Ankunft im bereits um 8 Uhr drückend heißen Bologna. Kein Gepäckstück ist verloren gegangen. Damit endet dieser Beitrag.

Von Harm Schwerdtfeger

Randnotiz: Taschen und Besteckmesser sind leider futschikato.

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